Fahrradampeln in Düsseldorf

Am Wochenende ist es mir mehrfach aufgefallen, die Stadt Düsseldorf investiert in die Infrastruktur! Okay das klingt jetzt nicht außergewöhnlich, aber es geht um die Fahrradwege! Unglaublich oder? Und zwar werden die Fußgängerampeln durch kombinierte Fußgänger und Radfahrerampeln ausgetauscht bzw. die Schablone der Ampel, d.h. der kleine grüne oder rote Mann, je nach Schicht, bekommt ein Fahrrad unter seine Füße.

Den Grund dieses wahrscheinlich teuren Umbaus, ist mir unklar. Ich dachte immer Rot ist Rot egal ob rotes Ampelmännchen, roter Kreis oder rotes Ampel-Fahrrad. Oder ist das falsch und ich Depp hab die letzten Jahre immer grundlos mit meinem Fahrrad an roten Ampeln gehalten? Hat einer eine Idee?

Rotlichtverstoß und andere Sünden

Auch für den Fahrradfahrer zählt die Straßenverkehrsordnung (ja ich war auch völlig überrascht) und hält man sich nicht daran so folgt ein Bußgeld oder Treuepunkte in Flensburg. Durch die seit 1. Mai gültige Neuregelung zum Punktesystem führen bereits 8 Punkte zum Entzug des Führerscheins. Aber bis es soweit kommt wird man erst Vorgemerkt (1-3 Punkte), Ermahnt (4-5 Punkte) und Verwarnt (6-7 Punkte).

Bußgeldkatalog (Auszug)

TatbestandBußgeld normalMit Behinderung andererMit Gefährdung andererMit UnfallfolgePunkte
Nichtbenutzung des vorhandenen beschilderten Radwegs20€25€30€35€
Benutzung des beschilderten Radweges in nicht zugelas­sener Richtung20€25€30€35€
Befahren einer Einbahnstrasse in nicht vorgeschriebener Fahrtrichtung20€20€30€35€
Befahren einer nicht freigegebenen Fussgänger­zone oder eines Gehwegs15€20€25€30€
Befahren einer freigegebenen Fussgängerzone oder eines Gehwegs mit mehr als Schrittgeschwindigkeit15€
Auf Geh- und Radweg Geschwindigkeit nicht an Fussgänger angepasst15€
Befahren eines für Fahrzeuge oder Fahrräder gesperrten Bereichs15€,20€25€30€
Trotz vorhandener Schutzstreifenmarkierung nicht auf der rechten Seite gefahren15€20€25€30€
Fehler beim direkten oder indirekten Linksabbiegen15€20€25€30€
Nebeneinander gefahren und dabei andere behindert20€25€30€
Freihändig fahren5€
Beförderung eines Kindes auf einem Fahrrad ohne vor­geschriebene Sicherheitsvorrichtungen5€
Beförderung einer über 7 Jahre alten Person auf einem einsitzigen Fahrrad oder im Anhänger5€
Beleuchtungseinrichtungen am Fahrrad nicht vorhanden oder nicht betriebsbereit20€25€35€
Beleuchtung trotz Dunkelheit oder schlechter Sicht nicht benutzt oder verschmutzt/verdeckt20€,25€35€
Bremsen oder Klingel entsprechen nicht den Vorschriften sind nicht vorhanden oder betriebs­bereit15€
Fahrzeug nicht vorschriftsmässig dadurch Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt80€1
Haltgebot oder andere Zeichen von Polizeibeamten nicht beachtet25€
Benutzung eines Mobiltelefons (ohne Freisprecheinrichtung)25€
Missachtung des Rotlichts an der Ampel60€100€120€1
Die Ampel war bereits länger als eine Sekunde rot100€160€180€1
Bahn­über­gang trotz geschlossener Schranke überquert350€2
Fussgängern am Fussgängerüberweg (Zebrastreifen) das Überqueren nicht ermöglicht40€
In Fussgängerzone mit zugelassenem Radverkehr Fussgänger gefährdet20€
Fahrzeug geführt obwohl das Gehör durch ein Gerät beeinträchtigt war10€
Quelle: ADFC

Generell gilt es die Verkehrsregeln ein zu halten, aber man ist schnell im Bereich eines Verstoßes. Schlechte Radwege locken einen auf die Straße (ab 20€), Ampelphasen die einem einsam und alleine zum Stop&Go-Marathon zwingen laden ein diese zu ignorieren (ab 60€, 1 Punkt), kurz mal das Handy aus der Tasche gezückt (25€) oder schnell noch am Zebrastreifen vorbei (40€).

 Quelle Titelbild: Wikimedia Commons, Francisco Welter-

Klassikerausfahrt, am Tag danach…

Am Sonntag ging es für uns zum ersten Mal mit auf die Klassikerausfahrt. Auf dem Programm stand, wie berichtet, das hügelige Umland von Düsseldorf, für manch eine Beinmuskulatur oder Übersetzung ist das Wort „Gebirge“ treffender. Über 50 Radler haben an der Ausfahrt teilgenommen, das Wetter war super, es gab viele nette Gespräche, schöne Aussichten und keine einzige Panne.

Bezwungen wurde zunächst der hügelige Teil, es ging bergauf in Richtung Rennbahn, durch den Aaper Wald bis nach Knittkuhl. Hinter der A3 ging es in den Norden nach Hösel, über den Steinberg und dann weiter durch die Lintorfer Mark.

jugendstilBikes Klassikerausfahrt Mai Map

Weiter auf eher flachen Wegen zwischen Duisburg-Rahm und Angermund durch, bis Wittlaer und Kaiserswerth. In Kaiserswerth trafen wir dann auf die Teilnehmer der Düsseldorfer Sternfahrt und haben die enorme Menge an Fahrradfahrern erstmal passieren lassen.

Anschließend ging es weiter Richtung Stockum, über die Messe, am Rhein entlang bis zur Kleverstraße. Dort waren wir einen Augenblick zu spät und mussten vor der Polizeiabsperrung für die Teilnehmer der Sternfahrt Halt machen. Nach kurzem Überlegen wie wir schnell weiter kommen, packten wir uns die Räder auf die Schulter und
überquerten die Straße unterirdisch, durch die U-Bahnstation „Victoriaplatz/Klever Str.“. Sehr sehr geil.

Weiter ging es der Straße folgend bis zum Startpunkt, Ricci Sports auf der Grunerstraße. Dort gab es zur Regeneration Kaffee, Kuchen und noch ein paar Gespräche über Klassiker und die Ausfahrt.

Es war eine Freude mit zu fahren, die Strecke war sehr abwechslungsreich, es gab ideale Asphaltwege aber auch belgisch anmutendes Pflaster kam unter die Reifen. Die teilweise engen Abfahrten hatten ihren Charme und ließen den vorherigen Anstieg schnell vergessen. Super Ausfahrt, sehr zu empfehlen. Besten Dank an die Mitfahrer für die super Tour und natürlich an das Orga-Team der Klassikerausfahrt.

 

Vorsicht Toter Winkel

Wer kennt ihn nicht, den Toten Winkel. Beim Auto verschwindet dort mal eben ein Motorrad und beim LKW auch gerne mal eine ganze Schulklasse. Heute ist mir zum ersten Mal ein „Vorsicht Toter Winkel“ Aufkleber auf einer LKW Türe aufgefallen.

Toter Winkel Aufkleber der Verkehrswacht

Die Anzahl an Berichten über Radfahrer denen dieser Tote Winkel zum Verhängnis wurden überwiegen da deutlich. Aber die Idee der Initiative „Vorsicht Toter Winkel“ der Verkehrswachten in NRW auf die Gefahr mittels Piktogramme hinzuweisen finde ich gut. Sicherlich ist der Radfahrer oft im Recht, aber was bringt einem das Recht wenn man am Ende unterm LKW liegt.

Toter Winkel, Skizze vom ADFC NRW

Auf der Internetseite der Initiative „Vorsicht Toter Winkel“ findet man noch Praxisbeispiele aus dem Kreis Mettmann, Kreis Borken, Münster, Oberhausen, Krefeld, Unna und Solingen. Vielleicht ist ja der ein oder andere Trucker unter uns und trägt die Initiative weiter in andere Unternehmen.

Flyer zur Initiative „Vorsicht Toter Winkel“ 

Düsseldorfer Sternfahrt 2014

Rauf auf’s Rad und breit gemacht. Unter diesem Motto organisiert der Düsseldorfer ADFC am 04.05.2014 die Fahrraddemonstration, bei der sich sechs sternförmig angeordnete Routen aus ganz NRW in Düsseldorf zu einem riesen Radlerstrom vereinen.

JugendstilBikes_Sternfahrt_Karte

Was fordert der ADFC für Düsseldorf?

  • Breite Radwege von min 1,60m
  • Ansonsten Tempo 30 km/h für Autos
  • Überholabstand 1,50m für Autos
  • Radschnellwege durch Düsseldorf
  • Einen Radverkehrsetat von 10€ pro Einwohner
  • Abschließbare Fahrradparkanlagen von Bauherren

Auf der Königsallee findet ab 16:00 Uhr das große Abschlussfest mit Bühnenprogramm,Fahrrad-Contest, Parkplatz-Schmücken und Kundgebung statt. Die Kö ist übrigens schon ab 12:00 Uhr autofrei!

Vorschlag für Radverkehr an Kreuzungen in den USA

Hier mal der Link zu einem interessanten Beitrag auf dem bekannten Blog It started with a Fight…. Es geht um das Thema der intelligenten Stadtplanung und Fahrradverkehrsführung. Der Vorschlag kommt aus den USA.

Zum Vergleich könnt ihr noch mal die niederländische Variante aus dem Beitrag Fahrradfreundliche Stadtplanung heranziehen.

Warum Fahrradbeleuchtung, wenn die Straße leuchtet?

Ja, gesehen und gesehen werden, ihr habt ja recht. Über diverse Beleuchtungen haben wir ja bereits berichtet, aber in Cambridge hat die Firma Pro-Teq Surfacing einen selbstleuchtenden Belag namens Starpath – wortwörtlich – auf den Weg gebracht. Dieser spezielle Belag speichert über den Tag das UV-Licht der Sonne und gibt dieses in der Nacht wieder frei.

Die Fahrradlampe ersetzt es sicher nicht – oder nicht für jeden – aber die Straßenlaterne und die oft nicht vorhandene Infrastruktur um solch eine Laterne zum Leuchten zu bringen, kann man sich sparen. Wir sind gespannt wann so etwas massen-tauglich ist und den Weg von der Insel rüber zu uns schafft.

Fahrradfreundliche Stadtplanung

Innovative Ideen sind interessant aber auch umstritten. Wir hatten ja bereits berichtet, dass Düsseldorf eine Fahrradautobahn bekommen wird. Die Kosten sind mit mehr als einer Million Euro pro Kilometer schon recht hoch. Das hält einen Architekten wie Norman Foster natürlich nicht davon ab noch weiter und höher zu denken. Der sprichwörtlichen Sky Cycle würde über die Hauptverkehrsstrassen Londons führen, 15 Meter breit und 220 Kilometern lang sein. Dadurch könnten sich 12.000 Radfahrer pro Stunde über den Köpfen aller anderen Verkehrsteilnehmer fortbewegen.

Ob so die Zukunft aussieht ist aber umstritten, da Radfahrer eine Stadt beleben und in diesem Konzept weit weg von allen Restaurants, Cafés, Kiosks und Geschäften wären. Prinzipiell muss man sich fragen, ob eine integrative Lösung nicht einfacher und für alle angenehmer wäre. Dieser Beitrag von Mikael Colville-Andersen auf der TED in Zürich hat mich sehr beeindruckt.

Aber wie soll man solche integrativen Ansätze real in die Tat umsetzen, nachdem unsere Städte nun mal zu dem geworden sind was sie sind? Das Dilemma ist, dass wir alle gern etwas aktiver wären und viel lieber in umweltfreundlicheren Städten leben würden. Aber ohne Auto mehr als 10km zur Arbeit zu fahren, ist zumindest in Düsseldorf einfach nicht attraktiv. Also fährt man mit dem Auto. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, muss man nicht erst Millionen von Euro investieren!

Weitere Erklärungen und Beispiele gibt es hier.

Ganz ehrlich lasst uns bitte unsere Städte so bauen, dass wir uns wohl fühlen. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer wollen doch gar nicht aneinander geraten. Das passiert nur so häufig weil unsere Städteplanung nicht bedarfsgerecht ist. Bis dahin machen wir es einfach so:

Fahrradautobahn durch Düsseldorf

Es ist in Düsseldorf nicht immer eine Freude mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Die Initiative http://www.duesseldorf-braucht-rad.de hat sich ein fahrradfreundliches Düsseldorf zur Aufgabe gemacht. Hier mal ein paar Bilder aus ihrer Galerie des Grauens.

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Um so erfreulicher ist es, dass unter anderem Düsseldorf den Planungswettbewerb zum Bau von Radschnellwegen gewonnen hat. Dadurch kann die 30 Kilometer lange und 32 Millionen Euro teure Strecke von Neuss über Düsseldorf nach Langenfeld und Monheim mit einer Förderung von 80% durch das Land realisiert werden. Quelle

JugendstilBikes_RadAutobahn

Die Düsseldorfer Radautobahn wird wohl noch nicht wie der Designentwurf ganz oben (Chris Hardwicke) aussehen. Jedoch müssen die Wege mindestens vier Meter breit sein, damit gut überholt werden kann. Die Radler sollen so weit wie möglich Vorfahrt haben und Fußgängern nicht in die Quere kommen und umgekehrt. 🙂 Das wird durch Überführungen und zusätzliche Ampeln gewährleistet. Die Planer rechnen auf der Strecke mit bis 4500 Radlern pro Tag. Ihr müsst euch allerdings noch etwas gedulden, da der Ausbau erst 2017 starten soll.

Weitere Informationen findet ihr zum Beispiel in einem Bericht vom WDR:

jugendstilbikes_wdrvideothek

Die Dummheit der Anderen

Angefangen hatte es heute Morgen mit ein paar Fußgängerinnen im Business-Look, die nach Umschalten der Fußgängerampel kreuz und quer über den Radweg wuselten. Zum Glück war ich auf dieses Verhalten und auf die quasi nicht vorhandene Haftung meiner Reifen durch den Schnee-Regen vorbereitet. Trotzdem hätte ich nach meinem fahrerisch doch recht anspruchsvollem Bremsmanöver eher Beifall anstatt böser Blicke erwartet.

Da Radwege in Düsseldorf leider immer noch Mangelware sind, musste ich kurz danach auf die Straße wechseln. Im innerstädtischen Verkehr bewegt man sich so zwischen Autos von Ampel zu Ampel. Ich verstehe, dass das für Autofahrer nervig ist, aber für Radfahrer ist das nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich. Vor allem wenn so ein Polo-Fahrer meint, an jeder roten Ampel ganz rechts am Bürgersteig halten zu müssen.

Danach ging es zum Glück wieder auf dem Radweg weiter. Dieser nahm auf einem 2 Meter breiten Bürgersteig nur schlanke 60 Zentimeter ein. In diesem Moment wuchtete ein ältere Herr voller Elan die Biotonne aus der Hauseinfahrt, ohne vorher Ausschau nach Fahrradfahrern zu halten. Da waren dann katzengleiche Reflexe gefragt.

Alles in allem nutze ich hier einfach mal die Gelegenheit etwas Dampf abzulassen. Natürlich ist jedem Radfahrer und allen Zweiradfahrern klar, dass man zu jedem Zeitpunkt mit der Dummheit aller in der Nähe befindlichen Verkehrsteilnehmer rechnen muss. Alles andere wäre naiv, weil man ja doch den Kürzeren zieht. Andererseits sind Radfahrer auch keine Engel. Da wird schon mal eine Ampel übersehen oder Fahrbahnmarkierungen werden nur als freundliche Empfehlungen verstanden. Von daher… nennen wir es unentschieden.